Geschichte

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Zeitungsanzeige von 1908 in der "Grenz-Zeitung"

Die Jahre 1872 bis 1950

 

Max Gleißner kauft im Oktober 1872 das Haus Nr. 247 (heute Maximilianplatz 27) an der Südseite des Marktplatzes in Tirschenreuth und stellt sich mit einem Schreinereibetrieb auf eigene Füße. Noch im selben Jahr heiratet Max Gleißner die Tirschenreutherin Anna Spitzel. Von den sieben Kindern, die aus dieser Ehe hervorgingen, ergreifen vier später ebenfalls den Schreinerberuf. Drei Söhne gründen eigene Handwerksbetriebe. Der älteste - Ernst Gleißner - sollte den Betrieb des Vaters übernehmen.

Zwanzig Jahre harter Arbeit ermöglichen im Jahr 1890 den damals reinen Handwerksbetrieb auf mit Dampfkraft angetriebene Maschinen umzustellen. Jedoch schon einige Jahre später - 1898, gleich nachdem das erste Elektrizitätswerk in Tirschenreuth fertiggestellt wurde - bedient man sich auch bei Gleißner dieser neuen Energiequelle. Jetzt arbeiten bereits 10 Facharbeiter in der nun weitgehend mechanisierten Werkstatt - um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bedeutet das schon eine respektable Betriebsgröße. Es werden Fenster und Türen hergestellt, aber auch Möbel entstehen im eigenen Haus, die in Stadt und Land gerne gekauft wurden. So mancher "Kammerwagen" bringt jungen Leuten eine solide Einrichtung fürs Leben.

1903 übernimmt der älteste Sohn Ernst Gleißner die Geschicke der noch jungen Firma, die seitdem nach ihm benannt ist. 1905 heiratet er Franziska Fritsch von der Hendlmühle bei Wondreb. Die Aufträge kommen jetzt bereits aus entfernteren Gegenden. Fenster und Türen sind mit Pferde-Fuhrwerken oft mehrere Tage unterwegs, z.B. nach Amberg oder Grafenwöhr. Die umliegenden Truppenübungsplätze und die Grenznähe bringen durch Kasernen, Zoll- und Behördenbauten viel Arbeit. Von den Dörfern kommen die Schreiner um bei Gleißner zu arbeiten. 1908 werden in Waldsassen in der Gallerstraße an der Ecke Liststraße in einer Filiale Ausstellungsräume für die damals noch im eigenen Haus hergestellten Möbel geschaffen.

Die Fertigung von Fabrikmöbeln nimmt nach dem Ersten Weltkrieg einen immer größer werdenden Umfang an. 1921 bis 1924 entstehen im Parterre des Hauses Nr. 247 neben einer erweiterten Werkstattfläche neue Lagerräume und Schaufenster. 20 Arbeiter sind nun bereits bei Gleißner beschäftigt. Franziska Gleißner hat ein gewaltiges Arbeitspensum zu bewältigen. Sie versorgt neben ihrer eigenen Familie mit 13 Kindern auch noch ihre Gesellen und Lehrlinge im Haus. Außerdem erledigt sie auch noch die Buchführung sowie den Ein- und Verkauf für den damaligen Möbelhandel. Nebenbei betreibt sie ab 1928 im Haus Nr. 247 auch noch einen Laden für Kinderwagen, der später von ihrer Tochter Resi am Maximilianplatz 28 noch lange Jahre weitergeführt wird.

Ernst Gleißner erhält in der Schreinerei ab den 1930er-Jahren Unterstützung von seinen drei ältesten Söhnen. Zwischenzeitlich wird der Maschinenpark vergrößert, und die räumlichen Verhältnisse sind im Haus Nr. 247 nicht mehr ausreichend. Ab 1937 entstehen im neu erworbenen historischen Gasthof zur Post im Haus gegenüber am heutigen Maximilianplatz 28 in Tirschenreuth umfangreiche Lager- und Ausstellungsräume sowie Wohnungen. Während des Zweiten Weltkriegs führt Ernst Gleißner, mittlerweile um die 70 Jahre alt, den Betrieb weitgehend allein weiter. Seine Söhne werden zum Kriegsdienst eingezogen. Nach dem Krieg und der Währungsreform steht man vor dem Nichts, aber mit viel Herzblut und Engagement von Ernst Gleißner gelingt der erfolgreiche Neubeginn.

Max Gleißner und Söhne

Max Gleißner mit Söhnen und Gesellen um 1900

Franziska und Ernst Gleißner

Franziska und Ernst Gleißner 1927

Stammhaus Maximiliansplatz

Stammhaus Maximilianplatz 27 um 1920

Die 1950er und 1960er

 

1951 übergibt Ernst Gleißner nach Jahren des Wiederaufbaus die Schreinerei seinem Sohn Alois, das Möbelgeschäft seiner Tochter Lina. Sohn Isidor übernimmt den mittlerweile zur Schreinerei ausgebauten Zweigbetrieb in der Liststraße in Waldsassen. Mit viel Schwung und neuer Energie führen Alois Gleißner und Lina Gleißner das Unternehmen in Tirschenreuth erfolgreich weiter. Die Steigerung der Zahl der Beschäftigten führt schnell zu immer weiter beengten Platzverhältnissen, so dass ein Neubau der Schreinerei außerhalb der Innenstadt in der Franz-Heldmann-Straße erfolgt. Das Möbelhaus wird am Marktplatz weitergeführt.

1957 wird die neue Schreinerei bezogen, sieben Jahre später werden die Gebäude ausgebaut und erweitert. Man spezialisiert sich später auf Innenausbau und realisiert in der Folgezeit viele Aufträge für Objekte im ganzen bayerischen Raum. In München wird sogar ein eigenes Vertriebsbüro eröffnet. Der Betrieb wird Ende der 1970er Jahre vollständig vom Möbelhaus getrennt und noch viele Jahre erfolgreich weitergeführt. Später wird die Schreinerei aufgegeben, sie existiert heute nicht mehr. Die Gebäude in der Franz-Heldmann-Straße sind mittlerweile vollständig abgebrochen. Dort steht heute nur noch das in den 1970er und 1980er Jahren erbaute Zentrallager für das Möbelhaus.

1960/61 schafft man in der "Post" am Maximilianplatz durch einen Ausbau der ehemaligen Scheune, der Stallungen und der Kegelbahn noch mehr Platz für den Möbelhandel und verbindet den rückwärtigen Teil durch die neue Gleißner-Passage mit dem Maximilianplatz. Es werden großzügige Ausstellungsräume und moderne Schaufensterfronten geschaffen wie sie bislang im Stiftland noch nicht zu sehen gewesen sind.

Möbelhaus 1940er

Ehemaliger Gasthof zur Post Maximilianplatz 28 um 1955

Liefer LKW

Liefer-LKW um 1950

Die 1970er und 1980er

 

Das Möbelgeschäft entwickelt sich durch das Engagement von Lina Gleißner erfolgreich weiter, das Verkaufsgebiet wird auf die benachbarten Landkreise erweitert. Anfang der 1970er Jahre soll durch den Einbezug des Hofraumes an der Badstraße die Ausstellungsfläche weiter vergrößert werden. Diese Maßnahme ist in vollem Gange, als im Januar 1972 bei Schweißarbeiten ein Brand das Dachgeschoß im rückwärtigen Teil vernichtet. Im Zuge der Wiederaufbauarbeiten wird statt des Dachgeschosses gleich ein vollwertiges Vollgeschoß als Ausstellungsraum gebaut.

Im Oktober 1972 erfolgt die Einweihung des neuen, erweiterten Möbelhauses. Das Haus zeigt sich zum 100-jährigen Jubiläum, das etwas verspätet 1973 groß gefeiert wird, in neuem Glanz. In Tirschenreuth ist ein – für damalige Verhältnisse – riesiges Möbelangebot entstanden. Bereits 1977/78 wird erneut umgebaut. Es werden weitere Ausstellungsflächen geschaffen, und die historische Fassade wird um weitere Bögen sowie Arkaden zum Marktplatz und zur Badstraße hin erweitert.

1980 übernehmen Liselotte Kulzer, die Tochter von Alois Gleißner, und Hans Kulzer, die bereits seit den 1970er Jahren in der Verantwortung sind, das Möbelhaus. Sie bauen das Unternehmen in den Folgejahren weiter engagiert aus, und setzen die Erfolgsgeschichte fort.

Im Dezember 1989 kommt es zur größten Katastrophe in der Unternehmensgeschichte: Durch Brandstiftung wird das historische Firmengebäude am Maximilianplatz 28 vollständig zerstört. Es ist einer der größten Brände in Tirschenreuth seit dem Stadtbrand 1814. Die Firma mit damals etwa 30 Mitarbeitern steht vor dem Nichts. Innerhalb weniger Tage fällt die Entscheidung, dass es weitergehen soll. Das historische Gebäude wird in den 1990er Jahren zur "Gleißner-Passage" als Wohn- und Geschäftshaus wieder aufgebaut, das Möbelhaus wird allerdings an den Stadtrand verlagert und dort fortgeführt.

Möbelhaus 1970er

Maximilianplatz 28 mit Passage um 1970

Feuer

Zerstörung durch Brandstiftung 1989

1990 – Neuanfang mit mehr Platz

 

Hans Kulzer wird zum Planer und Motor des Neubeginns. Im neuen Gewerbegebiet in Tirschenreuth-Süd entsteht in kürzester Zeit ein neues, modernes Einrichtungshaus. Zusammen mit seiner Frau Liselotte und den Prokuristen Walter Kraus und Manfred Probst leitet er eine rasante Aufwärtsentwicklung ein. Bereits im Dezember 1990 erfolgt die Einweihung des großen Neubaus vor den Toren der Stadt. Schon sechs Jahre später braucht man noch mehr Platz: Ein Erweiterungsbau verdoppelt 1996 die Fläche des Hauses zur heutigen Größe. Bis zum Ende der 1990er Jahre wird die Zahl der Arbeitsplätze in dem neuen Möbelhaus mehr als verdoppelt.

In den Jahren 1996 bis 2015 entwickelt sich das Unternehmen als "Gleißner Wohnschau" außerordentlich erfolgreich. Es ist mit seinem riesigen Angebot und seinen vielen Aktionen eine große Attraktion in der Stadt. Die Kunden kommen nun aus dem ganzen nordostbayerischen Raum sowie aus Westböhmen und sogar bis aus Karlsbad, Pilsen und Prag nach Tirschenreuth.

Neubau

Neubau in Tirschenreuth-Süd 1990

Möbelhaus 1996

Gleißner Wohnschau 1996

2015 – Die nächste Generation

 

2015 übernimmt Jörg Kulzer, der älteste Sohn von Liselotte und Hans Kulzer, in der mittlerweile 5. Generation das Unternehmen. 2016 wird Gleißner vom Einrichtungspartnerring VME, einer führenden Einkaufsgemeinschaft der Möbel- und Einrichtungsbranche in Deutschland, als Interliving Partner ausgezeichnet. Das Möbelhaus heißt seitdem "Interliving Gleißner" und ist Teil eines Marketingverbundes von vielen mittelständischen Einrichtungshäusern in ganz Deutschland. Dabei ist das Familienunternehmen weiterhin völlig eigenständig.

Team 2018

Team von Interliving Gleißner 2018

Möbelhaus 2016

Interliving Gleißner 2018

2016 bis 2018 - Zukunftsinvestitionen

 

Nach einem kompletten Umbau in den Jahren 2016 bis 2018 mit der vollständigen Erneuerung und Sanierung der Ausstellungsfläche ist Interliving Gleißner in Tirschenreuth-Süd im Inneren jetzt ein komplett neues Einrichtungshaus. Es ist mit über 20.000 Quadratmetern Gesamtfläche eines der größten und modernsten in Nordostbayern. Ein professionelles Online-Schaufenster ergänzt seit 2017 das stationäre Angebot. Auch nach über 146 Jahren ist das traditionsreiche Familienunternehmen zukunftsgerichtet, sehr erfolgreich und mit rund 110 Mitarbeitern einer der wichtigsten Arbeitgeber in Tirschenreuth.

Blick ins Haus

Blick ins Haus 2019